Nofretete bleibt Berlinerin

Wieder Wirbel um Nofretete.
Angeblich fordert Ägypten die Büste der schönen Königin, Glanzstück des Neuen Museums in Berlin, erstmals auch offiziell zurück. Ein entsprechender Brief sei von Ägyptens Ministerpräsident Ahmed Nazif unterzeichnet worden, gab das ägyptische Kulturministerium am Montag bekannt. In Deutschland sieht man das anders: Ein offizielles Ersuchen Ägyptens über die Rückgabe der Nofretete sei Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nicht bekannt, sagte sein Sprecher Hagen Philipp Wolf.

Es gebe ein Schreiben vom 2. Januar, adressiert an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Es trage die Unterschrift des ägyptischen Chefarchäologen und stellvertretenden Kulturministers Zahi Hawass. sagte Wolf. Die darin formulierte Bitte um Rückgabe der Nofretete hätten aber weder der ägyptische Ministerpräsident noch andere Regierungsmitglieder unterzeichnet. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bestätigte den Brief aus Ägypten. “Das Schreiben ist nicht vom Ministerpräsidenten unterzeichnet”, teilte Parzinger mit. Dagegen bekräftigte die Altertumsbehörde in Kairo, der Ministerpräsident habe unterschrieben.

Die weltberühmte Büste der Nofretete ist Publikumsmagnet im Neuen Museum in Berlin. Das vom britischen Stararchitekten David Chipperfield restaurierte Haus war erst im Oktober 2009 wiedereröffnet worden und lockte im ersten Jahr mehr als 1,2 Millionen Besucher an.
Hawass hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder die Rückgabe der berühmten 3.500 Jahre alten Gipsbüste gefordert. “In der Sachlage gibt es nichts Neues”, betonte Neumanns Sprecher Wolf. Der damalige preußische Staat sei bei den Ausgrabungen in Ägypten Anfang des 20. Jahrhunderts durch sogenannte Fundteilung zum rechtmäßigen Eigentümer der Nofretete geworden. “Aus unserer Sicht gibt es deshalb keinen Rechtsanspruch vonseiten Ägyptens auf diese Büste”, sagte er. Die Stiftung werde das jüngste Schreiben von Hawass in Abstimmung mit der Bundesregierung beantworten, ergänzte Wolf.