Die Bedeutung von Öl im Kreislauf unserer Wirtschaft
Neben Benzin und Diesel als Treibstoff für Fahrzeuge und Kerosin für Flugzeuge werden zahlreiche Endprodukte die wir täglich benutzen auf der Basis von Rohöl hergestellt. Darunter fallen die meisten aus Kunststoff hergestellten Plastikgegenstände, Folien, Verpackungen, Schuhe, Bild- und Tonträger, Kosmetika, Pflanzenschutzmittel, Farben, Lacke, Kunststofffasern sowie Weichmacher, Lösungsmittel und vieles mehr. Ebenso werden zum Beispiel mit dem Abfallprodukt Bitumen unsere Strassennetze asphaltiert.

Führt man sich diesen vielfältigen Einsatz von Erdöl bzw. aus Erdöl gefertigten Produkten sowie den enormen Verbrauch an Erdöl in unserer Gesellschaft vor Augen, bekommt man gleichzeitig ein Gefühl dafür, wie abhängig unser modernes Leben und unsere Wirtschaft vom Öl sind und insbesondere wie anfällig von dessen Preisschwankungen.

Letztlich ist die gesamte „Performance“ einer modernen, prosperierenden Volkswirtschaft in weiten Teilen vom Ölpreis abhängig, denn das Öl muss entsprechend dem wachsenden Bedarf gefördert bzw. gerade in an Öl armem Ländern wie Deutschland oder Österreich in ausreichender Menge importiert werden. Betrachtet man zudem stark wachsende große Volkswirtschaften, wie China oder Indien und deren immensen Nachholbedarf beim Aufbau der Infrastruktur sowie beim Konsum wird zudem leicht klar, welche Kräfte seitens der Nachfrage auf den Ölpreis wirken, angesichts der begrenzten Vorkommen an Erdöl und möglicher Absprachen hinsichtlich der Fördermengen.

Daraus resultierend hat das auf den Weltmärkten verfügbare Öl und der Ölpreis erheblichen Einfluss auf das Finanzsystem und beeinflusst in weiten Teilen der Welt den Kurs bestimmter Währungen, insbesondere auch den Dollar als wirtschaftliche Leitwährung.

Nicht zuletzt haben die Rückstände und Umweltverschmutzung aus der Erdölverarbeitung, dem Verbrauch von Treibstoffen und dem Verbrauch von aus fossilen Brennstoffen gewonnener Energie erhebliche Auswirkungen auf eine Volkswirtschaft, sei es als erhobene „Umweltsteuern“ oder als direkte bzw. indirekte Folgekosten von Luftverschmutzung und Klimawandel.

Prinzip von Angebot und Nachfrage

Beim Öl gilt genauso wie bei anderen Gütern, je knapper das Angebot bei konstanter oder steigender Nachfrage, desto höher der Preis. Über viele Jahre bestand angesichts von Absprachen über die Ölfördermenge insbesondere durch die OPEC und einer stetig steigenden Nachfrage, insbesondere durch die hoch entwickelten Industriestaaten und durch aufstrebende Wirtschaftsnationen das Prinzip eines stetig steigenden Ölpreises.
Insbesondere mit Hinweis auf die begrenzten Ölvorkommen. Grundsätzlich gelten die Ölvorkommen, zumal es sich beim Öl um keinen nachwachsenden Rohstoff handelt, immer noch als begrenzt. Jedoch können die Verbraucher nicht so einfach von einem Tag auf den anderen ihren Treibstoff wechseln und etwa von Benzin oder Diesel auf andere Energiequellen umstellen.

Die Nachfrage bleibt also mindestens konstant und steigt mit aufstrebenden Nationen an, deren Einwohner auch Auto fahren wollen, bzw. die sich auf einmal auch Produkte leisten können und wollen, deren Produktion auf Erdöl basiert.

Auf Seiten des Angebotes besteht, soweit nicht neue Ölquellen erschlossen werden, eine Begrenzung durch die maximale Förderkapazität. Kurzfristig niedrige Preise müssen also nicht unbedingt in einem Förderrückgang münden, da die Nachfrage weiterhin besteht.

Werden neue Ölquellen erschlossen, wie zum Beipiel durch das in den USA und in Kanada durchgeführte Fracking oder durch mit neuer Technologie erschlossene Ölfelder wie in Brasilien, hat dies zur Folge, dass mehr Öl auf den Markt kommt. Die etablierten Ölproduzenten versuchen dies zu verhindern, indem sie ihrerseits die Fördermenge erhöhen, sodass die Ölmenge bei weitem die Nachfrage zumindest kurzfristig übersteigt.
Dies geschieht mit dem Ziel, dass der Ölpreis sinkt und die Ölgewinnung beispielsweise durch das Fracking unrentabel wird, sodass die neuen Produzenten wieder vom Markt verschwinden. Es tobt also ein Preiskampf. Dieser hat aber erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftskreisläufe einzelner Staaten sowie das weltweite Finanzsystem.

Das Finanzsystem

Vordergründig erscheint es sicherlich vielen vorteilhaft, wenn aufgrund des aktuellen niedrigen Ölpreises das Tanken billiger wird. Doch weit gefehlt! Ein extrem niedriger Ölpreis sorgt zwar für günstigeren Treibstoff und eine niedrige Inflation. Aber damit besteht auch die Gefahr dass das Finanzsystem aus den Fugen gerät.
Die aktuelle Null- bis Negativ-Zinsphase auf Sparanlagen hat damit direkt zu tun. Das angesparte Kapital vieler Anleger, zum Beispiel für die Altersvorsorge wird nicht verzinst und verliert somit an Wert, wenn die Zinsen unter die Teuerungsrate gelangen oder sogar negativ werden.

Ebenso ist es möglich, dass Anbieter von Kapital-Lebensversicherungen und andere Geldanlageinstitute in Schieflage geraten und ausfallen können, da deren Ansparmodelle ganz wesentlich auf höhere positive Zinsen ausgerichtet sind. Die in die Riester-Renten eingezahlten Beträge verlieren ebenso an Wert. Doch wie kommt das?

Zum einen weil – wie geschehen – die ölproduzierenden Länder, wie das an Öl reiche Saudi Arabien und andere OPEC-Länder die Märkte mit Öl fluten. Sie tun das deshalb, um langfristig ihre Marktposition zu erhalten. Denn das hauptsächlich durch die USA und Kanada betriebene Fracking zur Ölgewinnung bedroht ganz erheblich den Absatz der OPEC Staaten, in dem diese Staaten als mit die größten Abnehmer auf einmal zu Eigenversorgern werden und drohen als Importeur von Rohöl auszufallen. Durch die gestiegene Ölmenge auf dem Markt sinkt die Inflation also oder wird sogar negativ, das heißt sich wandelt sich in eine Deflation. Die Unternehmen haben somit kaum noch Anreiz zu investieren, Verbraucher, die mit weiteren Preisnachlässen rechnen, halten sich demgegenüber mit Ausgaben zurück, was für die konjunkturelle Entwicklung der Märkte fatal ist.

Zum anderen versucht die Europäische Zentralbank die Märkte mit Geld zu fluten, um den Verfall der Inflation zu stoppen. Das bedeutet, dass so viel Geld im Umlauf ist, dass die somit Zinsen abgesenkt werden müssen. Die Sparer haben somit das Nachsehen.
Ein weiterer Aspekt ist, dass andere Ölexporteure ausserhalb der OPEC die teure Ölförderung mit riskanten Anleihen finanziert haben. Die Ölproduktion, zum Beispiel durch Fracking, lohnt sich jedoch nur ab einer gewissen Mindestpreisschwelle. Die Mindestpreisschwelle in den OPEC-Staaten liegt darüber hinaus erheblich niedriger.
Somit werden einige Produzenten ausfallen, was gleichbedeutend mit dem Ausfall von Anleihen ist, mit denen die Produktion finanziert wird. Dies kann wiederum erhebliche Verwerfungen auf den Finanzmärkten zur Folge haben, welche die Stabilität derselben gefährden können, aufgrund dessen, das es sich um ganz erhebliche Investitionen für einen langen Zeitraum handelt.

Technischer Fortschritt

Ein hoher Ölpreis und die Aussicht auf einen generell begrenzten Rohstoff macht erfinderisch. Gerade in Ländern, welche vom Import des schwarzes Goldes abhängig sind, wird daher viel getan, um sich Schritt für Schritt unabhängiger vom Erdöl zu machen. Eine wichtige Rolle hierbei spielt der technische Fortschritt.

Dieser wird durch zu hohe Ölpreise geradezu befeuert. Länder wie Dänemark oder Deutschland, die sich zu einer Energiewende, dass heisst hin zu erneuerbaren Energien, entschlossen haben, können hiervon erheblich profitieren. Somit entstehen neue Produktionszweige zum Ausbau von Anlagen zur regenerativen Energiegewinnung sowie zusätzliche Arbeitsplätze.

Umwelt

Erdöl und andere fossile Energieträger verursachen erhebliche Folgekosten für Gesundheit und Umwelt. Deutlich wird dies in erheblichen Maße im Strassenverkehr mit seinen Abgas- und Lärmemissionen.

Eine Zunahme des Verkehrs insbesondere mit benzin- oder dieselbetriebenen Fahrzeugen verursacht trotz spritsparender Modelle eine erheblich höhere Emission an Abgasen, welche für Mensch und Natur schädlich sind. Es besteht gesellschaftlicher Konsens darüber, dass die Kosten den Verkehrsteilnehmern angelastet werden müssen. So muss beim Tanken von einem Liter Sprit bereits heute mehr an Steuern für den Staat aufgewendet werden, als für die eigentliche Produktion des Treibstoffes.

Würde keine Umlage dieser Umweltkosten geschehen, hätte dies weitreichende wettbewerbsverzerrender Auswirkungen, insbesondere bei niedrigen Ölpreisen, die das Tanken günstiger machen. Zum Beispiel würden wichtige Investitionen in Forschung und Entwicklung von alternativen Antriebsformen ausbleiben oder der Ausbau von städtischen Nahverkehren benachteiligt werden. Der Ausbau erneuerbarer Energien würde ebenso benachteiligt.

Wirtschaftspolitik

Die hohe Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaftspolitik, denn diese gibt die Rahmenbedingungen für das Funktionieren des Wirtschaftskreislaufes vor. Da der größte Teil des benötigten Öls und der Treibstoffe importiert werden müssen, sind es vor allem strategische Entscheidungen und Gesetze, die getroffen und verabschiedet werden, um zu einer lngfristigen Verringerung der Abhängigkeit von den Öl liefernden Staaten, wie Russland, zu kommen. Gleichzeitig besteht das Ziel einer Energiewende, um die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels abzumildern.

Diesbezüglich fördert der Staat nicht nur die Entwicklung alternativer Antriebsformen für den Verkehr, sondern auch in erheblichem Maße den Ausbau regenerativer Energiegewinnung für die Industrie und die Haushalte sowie die energetische Sanierung von Gebäuden. Neben dem hierdurch geförderten Innovationsdruck entsteht vor allem zusätzliches Wachstum vielen Bereichen.

Fazit

Öl hat eine außerordentlich hohe Bedeutung in unserem Wirtschaftskreislauf. Neben Benzin oder Diesel basiert die Produktion vieler Tausend Produkte und Alltagsgegenstände auf Erdöl. Aufgrund nicht ausreichender eigener Erdölvorkommen muss der überwiegende Teil des Erdöls bzw. der Treibstoffe importiert werden, was zu einer hohen Abhängigkeit von den Lieferstaaten führt.

Insbesondere die Abhängigkeit der Wirtschaft von den Preisschwankungen auf den Weltmärkten ist problematisch. Bei zu hohen Ölpreisen, steigen die Produktionskosten und es steht durch höhere Ausgaben für Benzin und Heizöl weniger Geld für den privaten Konsum zur Verfügung.

Bei zu niedrigen Ölpreisen kommen zwar vordergründig positive Effekte, wie günstigeres Produzieren oder Tanken zum Tragen, aber andererseits besteht die hohe Gefahr, das eine Deflation eintritt, sodass insbesondere Sparer mit Einbußen bei ihren Anlagen rechnen müssen und Unternehmen der Anreiz für Investitionen genommen wird. Durch einen andauernden Preiskrieg der Ölexporteure steht die Stabilität der Finanzmärkte als Ganzes auf dem Prüfstand.

Die hohe Abhängigkeit vom Öl und von anderen fossilen Rohstoffen hat weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaftspolitik, die den gesetzlichen Rahmen der Wirtschaft vorgibt. Durch strategische Entscheidungen, wie die zur Energiewende, entsteht eine künstliche Verteuerung von fossilen Energieträgern, die Investitionen in regenerative Energien und die Entwicklung neuer Technologien fördern. So entstehen Wachstum und neue Arbeitsplätze in diesen Bereichen.

Trotz des technischen Fortschrittes wird die Abhängigkeit vom Öl noch lange bestehen bleiben. Entscheidend hierfür ist das weltweite Angebot von Erdöl, insbesondere ob sich neue Gewinnungsmethoden wie das Fracking durchsetzen werden oder ob langfristig neue Erdölvorkommen erschlossen werden können.

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